Die ersten Kulturen in Anatolien

Anatolien war im Laufe der Geschichte der Entstehungsort für viele Zivilisationen. Obwohl es nicht so fortgeschritten wie Ägypten oder Mesopotamien war, waren die Hatti, die eine von Präfixen durchzogene Sprache verwendeten, nichtsdestotrotz eine der fortgeschritteneren Gesellschaften ihres Zeitalters (3000 bis 2000 v. Chr.) Die im Ankara-Museum für Anatolische Zivilisationen ausgestellten Exponate stellen neben dem Urschatz des Britischen Museums die hervorragendste Bronzezeit-Sammlung der Welt dar. Die Ankara-Sammlung, die auf die Periode zwischen 2000 - 1900 v. Chr. datiert ist, kommt aus tumuli in Alacahoyuk, Horoztepe und Mahmatlar, und umfasst Artefakte in Goldsilber, Bronze und Keramik

Ein Vorposten gegen die Invasion aus dem Balkan: Troja

Während der Zeit der Hatti repräsentierten Troja I (3000-2500) und Troja II (2500-2200) das Bronze-Zeitalter im Nordwesten Anatoliens, hier handelt es sich sozusagen um Canakkale. Beide fühlten sich dem Bereich der Ägäischen Kultur zugehörig, und Troja II hatte ein besonders glänzendes Zeitalter. Die goldenen Schiffe, die von Heinrich Schliemann ausgegraben wurden, und im Berliner Völkerkunde-Museum ausgestellt wurden, sind leider während des II. Weltkrieges verschwunden. Die Reichtümer von Troja werden nun durch den Goldschmuck, der im Istanbuler Museum für Archäologie ausgestellt ist, repräsentiert. Troja III-V (2200-1800 v Chr.) ist eine Fortsetzung von Troja II.

 

Migration der indoeuropäischen Völker nach Anatolien
Die Fürstentümer der Hatti-Hethiter

Die indoeuropäischen Migrationen, die über ein weites Territorium stattfanden, das sich von Westeuropa bis Indien ausdehnte, brachten einige Völker über den Kaukasus nach Anatolien. Das Volk der Nesi ließ sich in Zentralanatolien nieder, das Volk der Pala in Paphlygonien und die Luvier in Südanatolien. Im Laufe dieser Migrationen eroberten die neu Angekommenen nach und nach das Fürstentum der Hatti, um dann zuerst das alte Fürstentum der Hethiter (1660-1460 v Chr.) und dann das Große Königreich der Hethiter (1460-1190 v Chr.) zu gründen.

 

Das Reich der Hethiter (1660-1190 v Chr.)


Die Hethiter gründeten einen föderativen Feudalstaat und während ihrer letzten beiden Jahrhunderte stellten sie eine der beiden Supermächte des Zeitalters dar, die andere Supermacht war in Ägypten.
Als ursprüngliche Indoeuropäerrkannten die Hethiter die Gleichheit zwischen Männern und Frauen, und in der Tat umfasst ihr Gesetz sogar Rechte für Sklaven. Kein anderes Rechtssystem in der Welt war so fortgeschritten. Obwohl die Monarchie vom Vater auf den Sohn überging, war dies ein Königreich auf der Basis der Idee "primus inter pares", Erster unter Ranggleichen; der Herrscher musste viele Angelegenheiten vor den Senat bringen, der aus Aristokraten, die als Pankus-Klasse bekannt waren, bestand.
Zu einer Zeit im Nahen Osten, als das Auspeitschen und Aufspießen von Feinden an der Tagesordnung war, als Köpfe und Hände abgeschnitten und dann Pyramiden aus ihnen gemacht wurden, waren die Hethiter erstaunlicherweise human, fast wie Bewohner der heutigen zivilisierten Staaten.
Die Hethiter nahmen die Religion, Mythologie, Sprache und Sitten der Hatti an sowie auch ihre Namen für Plätze, Gebirge, Flüsse und Personen. Da die Mesopotamier Anatolien "Das Land der Hatti" nannten, wurde den Neuankömmlingen fälschlicherweise der Name "Hethiter" gegeben.
Die hethitische Architektur hat ihren ganz eigenen Charakter und wies die mächtigsten Stadtmauern des Nahen Ostens im zweiten Jahrtausend v. Chr. auf. Desweiteren erbauten sie die großartigsten Tempel und entwickelten eine egenständliche Kunst, die in Anatolien weit verbreitet war.